Schriften zur Ethik und Religionsphilosophie

Insel-Verlag, 1786
 


300 - Zwei Dinge erfllen das Gemt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel ber mir und das moralische Gesetz in mir.
59 - Nun sage ich: der Mensch und berhaupt jedes vernnftige Wesen existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauche fr diesen oder jenen Willen...
18 - Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" und in der Kritik der praktischen Vernunft" Sätze, die aus dem Zusammenhang gerissen eine derartige Auffassung nahezulegen scheinen: ,Es ist berall nichts in der Welt, ja berhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung fr gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.
61 - Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.
83 - Ein jedes Wesen, das nicht anders als unter der Idee der Freiheit handeln kann, ist eben darum in praktischer Rcksicht wirklich frei, di es gelten fr dasselbe alle Gesetze, die mit der Freiheit unzertrennlich verbunden sind...
47 - Allein es ist ein Unglck, daß der Begriff der Glckseligkeit ein so unbestimmter Begriff ist, daß, obgleich jeder Mensch zu dieser zu gelangen wnscht, er doch niemals bestimmt und mit sich selbst einstimmig sagen kann, was er eigentlich wnsche und wolle.
340 - Rechtsgesetz: handle äußerlich so, daß der freie Gebrauch deiner Willkr mit der Freiheit von jedermann nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen könne...
68 - Im Reiche der Zwecke hat alles entweder einen Preis, oder eine Wrde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen ber allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Wrde.
64 - Der Wille wird also nicht lediglich dem Gesetze unterworfen, sondern so unterworfen, daß er auch als selbstgesetzgebend, und eben um deswillen allererst dem Gesetze, (davon er selbst sich als Urheber betrachten kann), unterworfen angesehen werden muß.
225 - ... Man kann also einräumen, daß, wenn es fr uns möglich wäre, in eines Menschen Denkungsart, so wie sie sich durch innere sowohl als äußere Handlungen zeigt, so tiefe Einsicht zu haben, daß jede, auch die mindeste Triebfeder dazu uns bekannt wrde, imgleichen alle auf diese wirkenden äußeren Veranlassungen, man eines Menschen Verhalten auf die Zukunft mit Gewißheit, so wie eine Mond- oder Sonnenfinsternis, ausrechnen könnte, und dennoch dabei behaupten, daß der Mensch frei sei.